Ich habe 20 Jahre nur funktioniert.

Heute bestimme ich.

Nicht die anderen. Nicht der Stress. Nicht die Angst.

Ich kenne das. Morgens aufzuwachen und schon zu wissen, der Tag wird zu viel, aber es muss ja. Tagsüber durchziehen. Abends hellwach liegen, obwohl ich im Stehen hätte einschlafen können.

Ich habe so über 20 Jahre gelebt. Hochfunktionale Depression, generalisierte Angststörung, schließlich noch ein Burnout. Nach außen hin lief alles bestens. Keiner hat gesehen, wie es in mir aussah.

Ich bin Neurobiologin. Ich habe verstanden, was in mir passiert ist und ich habe mir mein Leben zurückgeholt.

Ich bin jetzt gesund und ohne Psychopharmaka.

Diesen Weg bin ich selbst gegangen und ich war da, wo du vielleicht gerade bist. Deshalb weiß ich, wie es dir geht.

Warum ich das tue

Wo alles anfing

Das Gefühl, falsch zu sein, war schon früh da. Nicht genug, weniger wert als die anderen. Ich habe es keinem gesagt.

Meine erste Panikattacke hatte ich im mündlichen Abitur, in Pädagogik. Bei uns war das wie ein kleines Psychologiestudium, denn der Lehrer war sehr engagiert. Genau das hat mich gefesselt. Ich war vorbereitet, die Fragen waren gut zu beantworten gewesen. Ich stand da und wollte loslegen.
Und dann ging nichts mehr. Als hätte sich mein Kopf einfach ausgeschaltet. Ich wusste gerade noch meinen Namen.

Die Lehrer haben mich angesehen und ich hatte das Gefühl, sie sezieren mich mit ihren Augen. Jede Sekunde wurde es schlimmer. Ich wollte nur noch raus, mich in Luft auflösen.

Danach habe ich mich fertiggemacht. Nicht „was war das gerade“, sondern „wie kannst du eine todsichere Eins so ruinieren“. Ich habe mich zu Tode geschämt und überlegt, wie ich es meinen Eltern sage. Die fanden es gar nicht so schlimm, mein Freund auch nicht, Hauptsache durchs Abi. Und trotzdem, oder gerade deshalb, hielt die Scham noch sehr lange an.

Solange du arbeitest, kann es nicht so schlimm sein

Danach habe ich funktioniert. So wie sich das gehört. Studium, Promotion, Beruf, von außen betrachtet lief alles gut. Ich galt als die, bei der man sich keine Sorgen machen muss.

Ich war ein Staubsaugroboter. Ich fuhr meine Runden, machte, was zu tun war und keiner kam auf die Idee, dass in mir nur noch Leere war. „Toll, wie du das alles schaffst“, habe ich gehört. Und irgendwann, als ich mich endlich einem Arzt anvertraut hatte: „Solange Sie noch arbeiten, kann es ja nicht so schlimm sein.“

Genau so rutscht es durch. Du liegst nicht auf dem Sofa, du gehst arbeiten, also kann es ja nicht so schlimm sein. Ich bin jeden Tag zusammengebrochen. Ich habe es nur versteckt und bin trotzdem zur Arbeit gegangen, weil ich mich nicht anstellen durfte.

Unter der Woche im Funktionieren, am Wochenende im Koma, gerade so weit erholt, dass ich Montag wieder arbeiten konnte. Für mich war das normal. Druck war das, was man aushält. Anerkennung gab es über Leistung, also habe ich geleistet.

Dazwischen ständig Infekte und Schmerzen, für die kein Arzt eine Ursache fand. Ich habe sie weggesteckt und weitergemacht. Ich war in Therapien, habe Medikamente bekommen, aber einen echten Durchbruch gab es nicht. Die Medikamente waren eine Krücke, die mir Zeit verschafft hat. Zeit, um weiterzuarbeiten.

Muss. Weiter. Gehen.

Der Freitag, an dem ich nicht mehr aufstand

Irgendwann war ich mehr krank als gesund. Grippe, Magen-Darm, immer wieder drei, vier Wochen krankgeschrieben, dann ein, zwei Wochen arbeiten, dann wieder von vorn. Ich fand alle möglichen Erklärungen dafür: verschleppte Grippe, hartnäckige Infektion, etc. Dass es etwas mit mir zu tun haben könnte, mit dem, was ich mit mir machte, das kam mir nicht in den Sinn. Ich doch nicht.

Dann saß ich im Homeoffice am Schreibtisch und fing an zu zittern. Nicht nur ein bisschen, am ganzen Körper. Mir wurde übel und schwindlig, so sehr, dass ich mich neben den Schreibtisch auf den Boden legen musste, um nicht umzukippen. Einmal war ich kurz weggetreten, ich weiß nur noch, dass plötzlich viel Zeit vergangen war.

Und was war mein Gedanke, als ich da auf dem Boden lag? Nicht „was ist los mit mir“. Sondern „stell dich nicht so an, mach weiter“. Ich war wütend auf mich, weil ich es nicht schaffte zu arbeiten. Also habe ich mich auf die Couch gelegt, kurz gewartet, bis es etwas besser wurde und mich wieder an den Schreibtisch gesetzt – bis das Zittern von vorn losging. Ich habe irgendwie weitergearbeitet. Ich weiß bis heute nicht, wie.

An einem Freitag habe ich früher Feierabend gemacht und mich aufs Sofa gelegt. Und bin nicht mehr hochgekommen. Als mein Mann nach Hause kam, lag ich immer noch da. Ich kam einfach nicht mehr hoch.

Da bin ich dann doch wieder zum Arzt. Der wusste am Ende auch nicht mehr weiter und hat mich in eine psychosomatische Reha geschickt.

Die Reha, die mein Leben gerettet hat

Die Reha war das Schwerste in meinem Leben. Über sieben Stunden Fahrt in meinem Zustand, allein das war ein Kraftakt. Und dann konnte ich zum ersten Mal nicht mehr weglaufen. Nicht vor mir, nicht vor meinen Gedanken. Zu Hause hatte ich mich immer ablenken können, durch Arbeit, durch Rumwuseln, durch Funktionieren. Das fiel jetzt weg. Und alles, was ich jahrelang unterdrückt hatte, kam hoch.

Es stand schlechter um mich, als ich selbst wahrhaben wollte. Die Ergebnisse der psychologischen Tests waren so „gut“, dass die Ärzte mich sofort in eine Klinik verlegen wollten. Ich habe abgelehnt. Aber nicht aus Einsicht; ich war innerlich so leer, dass es mir in dem Moment egal war. Was am Ende entschied, war meine Sturheit: Ich bin in der Reha, ich ziehe das durch! Ausgerechnet die Verbissenheit, die mich so lange kaputtgemacht hatte, hat mich dableiben lassen.

Und dann ist etwas passiert, das ich bis dahin nicht kannte. Die Psychiaterin und die Therapeutin haben sich Mühe gegeben. Echte Mühe. Sie haben mir gesagt: Wir helfen Ihnen. Wir glauben an Sie.
Ich war Anfang vierzig. Angst und Verzweiflung kannte ich, seit ich ein Teenager war. Und das war das erste Mal in meinem Leben, dass mir jemand gesagt hat, mir ist zu helfen.

Zuerst wurde ich medikamentös neu eingestellt. Meine Medikamente machten mich noch unruhiger; und ruhelos war ich ohnehin schon. Das richtige Mittel zu finden, hat lange gedauert, manches hatte Nebenwirkungen, die kaum auszuhalten waren. Aber irgendwann war eins dabei, das wirklich geholfen hat.

Und trotzdem war nicht das Medikament die Rettung. Als ich zusammengebrochen bin, habe ich drei Medikamente genommen (Antidepressiva und Neuroleptika) und es ging mir grottenschlecht. Ein Medikament kann dir Luft verschaffen, Zeit, in der Veränderung möglich wird. Aber gesund gemacht hat mich am Ende die Arbeit an mir selbst, nicht die Tablette.

Diese Arbeit fing in der Reha an. Ich habe gelernt, meine Angst- und Panikattacken selbst zu stoppen, mit Übungen, die ich erst furchtbar albern fand. Aber ich konnte ja nirgends hin, also habe ich sie gemacht, mehrmals am Tag.
Und nach fünf Wochen waren diese Attacken weg. Nicht weniger. Weg.
Sie sind nie wiedergekommen.

Das war der Moment, der alles verändert hat. Zum ersten Mal habe ich gespürt: Ich bin diesem Gefühlschaos nicht hilflos ausgeliefert. Ich kann etwas tun. Mein Leben lang hatte ich geglaubt, ich muss das aushalten, es passiert einfach mit mir. Und jetzt hatte ich zum ersten Mal die Kontrolle in der Hand.

Aus all dem, was ich in der Reha und in den Monaten danach gelernt und an mir gearbeitet habe, ist mit der Zeit ein Weg geworden. Erst das Wissen, dass ich überhaupt etwas gegen diese Attacken und Verzweiflungswellen tun konnte. Dann Stück für Stück der Rest. Heute sind das die fünf Stufen der NeuroEvolution. Damals war es einfach der Weg, den ich gegangen bin, weil ich keinen anderen hatte.

Wie es heute ist

Ich bin nicht einfach wieder gesund geworden. Ich habe es mir zurückgeholt.

Das Gedankenkarussell hat aufgehört. Früher lief es ununterbrochen: was wäre wenn, alle Sorgen durch, jeden Fehler und alles nochmal. Heute setze ich mich hin und mein Kopf ist ruhig. Manchmal kommt ein Gedanke, das ist völlig natürlich. Aber es ist kein Vergleich mehr zu diesem Dauerlärm von damals.

Wenn ich einen Termin habe, spiele ich ihn nicht mehr siebenundzwanzigmal im Kopf durch. Ich schaue, wann er ist und fahre los. Und wenn ich mehrere Termine habe, dann habe ich eben mehrere Termine. Früher hätte ein einziger meinen ganzen Tag beherrscht.

Ich kann Nein sagen, wenn ich Nein meine und es ist gut.

Ich kann um Hilfe bitten, wenn ich etwas allein nicht schaffe, im Job wie zu Hause. Wenn ich im Garten nicht weiterkomme, frage ich den Nachbarn. Das klingt nicht nach etwas Besonderem, aber für mich war es jahrelang undenkbar.

Ich bin viel mehr im Jetzt. Nicht ständig im Grübeln über gestern oder in der Angst vor morgen. Einfach da. Das nimmt so viel Unruhe raus.

Irgendwann konnte ich auch das letzte Medikament absetzen. Das ging leichter, als ich gedacht hatte. Die Arbeit war ja schon getan, die Krücke war nur noch Gewohnheit. Seit Januar 2026 lebe ich ohne Psychopharmaka. Ich bin gesund und das ist ein sehr großer Sieg.

Diesen ganzen Weg bin ich selbst gegangen, bis zum Ende. Deshalb weiß ich, wie es dir geht. Nicht aus einem Buch, sondern weil ich da war, wo du vielleicht gerade bist.

Warum ich weiß, wovon ich rede

Ich bin promovierte Neurobiologin. In meiner Forschung ging es um Nervenzellen, ihren Stoffwechsel und die Frage, warum sie unter bestimmten Bedingungen zugrunde gehen.

Als Biologin verstehe ich, wie der Körper funktioniert und damit auch das Gehirn und das Nervensystem. Das hat mir etwas ermöglicht, das mir keiner abnehmen konnte: Ich konnte mir die Zusammenhänge selbst erarbeiten. Aus Fachbüchern, aus Fortbildungen, aus dem, was ich gelernt und erlebt hatte. Ich habe verstanden, was in meinem Körper passierte, warum ich nachts wachlag, warum eine Kleinigkeit mich völlig aus der Bahn warf, warum ich nicht zur Ruhe kam und warum ich andauernd Schmerzen hatte.

Ich bin keine Therapeutin und das ist in Ordnung. Ich habe selbst genug Behandlungen hinter mir, die theoretisch richtig waren, aber im echten Leben nicht funktioniert haben. Ich bin an keine Schule gebunden, an keine Vorgabe, an kein „so macht man das“. Ich arbeite mit dem, was in deinem Alltag wirklich etwas verändert, an einem normalen Dienstag, zwischen Job, Familie und dem Kopf, der nicht aufhört zu denken. Nicht mit dem, was im Lehrbuch steht und beim Rausgehen aus der Praxis schon nicht mehr zu einem passt.

Das ist der Unterschied. Viele, die dir helfen wollen, kennen die Theorie, aber nicht das Gefühl, morgens nicht aufstehen zu können und trotzdem funktionieren zu müssen. Andere kennen das Gefühl, aber nicht die Biologie dahinter. Ich kenne beides. Ich war selbst da unten und ich verstehe, was dabei im Nervensystem geschieht.

Deshalb arbeite ich nicht mit Durchhalteparolen und nicht mit Wellness. Ich arbeite an der Stelle, an der es entsteht.

Meine durchlebten Phasen der NeuroEvolution

Ich bin nicht kaputt. Mein System ist im Alarm.

Erkennen

In der Reha fiel zum ersten Mal alles weg, womit ich mich sonst abgelenkt hatte. Und ich musste hinsehen. Nicht „ich bin halt viel krank“, sondern: Das hat mit mir zu tun, mit dem, was ich seit Jahren mit mir mache. Das war der erste Schritt – und der schwerste.

Es passiert nicht einfach mit mir. Es hat einen Grund.

Verstehen

Als Biologin wollte ich es genau wissen. Woher die Schmerzen kommen, warum mein Kopf nicht aufhört zu grübeln, warum diese Anspannung und Unruhe ständig in mir sind, warum mich eine Kleinigkeit umwirft. Ich habe verstanden, was in meinem Nervensystem passiert. Und was man versteht, macht nicht mehr solche Angst.

Ich schaffe es, ohne dass es mich schafft.

Bewältigen

Ich weiß, was ich tun kann, wenn es zu viel wird. Vor allem aber richte ich meinen Alltag so ein, dass ich gar nicht erst an diesen Punkt komme. Ich plane meinen Tag, ohne mich zu überfordern. Das ist der Teil, der mich stark für die Zukunft gemacht hat, damit ich meine Ruhe und meine Gesundheit auch dauerhaft behalte.

Ich muss nicht funktionieren, um etwas wert zu sein.

Umdenken

Mein ganzes Leben lang war ich nur so viel wert wie meine Leistung. „Stell dich nicht so an.“ „Ich muss das allein schaffen.“ „Ich bin ein Versager.“ Diese Sätze liefen mein Leben lang in mir, und ich habe sie geglaubt. Sie umzuschreiben, hat am längsten gedauert. Heute weiß ich: Ich darf auch mal krank sein. Ich darf um Hilfe bitten. Ich darf Pausen machen, wann immer ich sie brauche. Und ich bin gut, so wie ich bin.

Ich sitze am Steuer. Nicht die Angst.

Kontrollieren

Ich habe immer nur reagiert. Andere erwarten etwas, ich habe es getan. Ich hatte Angst, etwas zu tun, also lieber sein gelassen. Das habe ich verändert. Es hat gedauert, aber jetzt bestimme ich selbst, wo es langgeht. Und ich grüble nicht mehr endlos, ob ich etwas mache –  ich mache es. Genau das ist Freiheit, die ich früher nie hatte. Ich bin nicht mehr hilflos ausgeliefert. Ich bestimme, ich tue das, was ich möchte ohne endloses Hinterfragen. Das ist Leben.

Das VEV-Prinzip in meinem Alltag

Am deutlichsten sehe ich den Unterschied an einer Entscheidung, die ich lange vor mir hergeschoben hatte.

Ich hatte über Jahre einen Job, der schlecht bezahlt war und in dem ich ausgenutzt wurde. Ich habe ihn mir schöngeredet. Geld ist nicht alles, die Arbeit macht ja Spaß, usw.

In Wahrheit hatte ich einfach Angst vor der Veränderung. Bei einer Angststörung sind Ungewissheit und Veränderung der Todfeind und mein Kopf hat mir jeden Tag gute Gründe geliefert, warum alles so bleiben soll, wie es ist.

Verantworten. Ich gehöre mir.

Der ehrlichste und unbequemste Schritt kam zuerst. Ich hätte weiterhin sagen können, mir geht es schlecht wegen der vielen Arbeit, wegen der Umstände, wegen der anderen. Aber das stimmte nicht. Mir ging es schlecht, weil ich mich selbst schlecht behandelt habe. Weil ich alles für andere getan habe und nichts für mich. Niemand sonst war dafür verantwortlich, nicht mein Mann, nicht mein Chef. Nur ich. Das einzugestehen tat weh. Und es war der Anfang von allem, denn nur was in meiner Hand liegt, kann ich auch ändern.

Entscheiden. Ich bestimme.

Also habe ich mich ehrlich gefragt, was ich wirklich will. Will ich weiter so behandelt werden? Will ich weiter arbeiten ohne jede Wertschätzung? Will ich mich weiter unter Wert verkaufen?
Nein. Wollte ich nicht mehr. Ich habe angefangen, mich zu bewerben, obwohl die Sicherheit mir alles bedeutet hat und die Ungewissheit mir Angst machte. Ich habe eine unangenehme, schwere Entscheidung für mich getroffen und ich bin dabei geblieben.

Verändern. Ich bin.

Ich habe den Job gewechselt. Die Angst, nichts Neues zu finden, war völlig unbegründet. Der neue Job ist in so vielen Dingen besser. Ich bin durch die Lava gegangen. Und es war gut. Richtig gut. Nicht nur wegen der Arbeitsbedingungen, sondern auch, weil ich daran gewachsen bin.
Leicht war das nicht. Veränderung ist nie leicht. Aber ohne sie ändert sich nichts. Und dann wäre ich heute immer noch da, wo ich nie sein wollte.

Vielleicht erkennst du dich in manchem wieder. In dem Funktionieren. In den Gedanken, die nie leise sind. In den Schmerzen, für die kein Arzt eine Ursache findet. In dem Gefühl, dass es so nicht weitergehen kann und in der Angst, dass es doch wieder nicht klappt.

Ich kenne das alles. Und ich weiß, dass es einen Weg heraus gibt, weil ich ihn selbst gegangen bin.

Wenn du magst, reden wir. In Ruhe, ohne dass du dich erklären brauchst.

Es ist nie zu spät, das zu sein, was du sein willst.

Ich arbeite präventiv und alltagsbegleitend mit beruflich belasteten Erwachsenen.
NeuroEvolution ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
Keine Diagnose. Kein Heilversprechen.
Bei akuter Selbstgefährdung: bitte sofort Krisendienst oder Notruf kontaktieren.